Sonntag abend, ich liege im Bett und fange an ein wenig zu sinnieren. Blicke fragend auf morgen, was mich wieder erwartet. Blicke auf gestern, wie mein neues Leben nach einigen Wochen aussieht. Viele Fragezeichen, oder nein, vielmehr viele leere Stellen sind derzeit in meinem Blick. Das ‘neue Leben’ sickert momentan dahin; ich lerne es langsam kennen, weiss aber noch nicht, woran ich bin. Habe noch keine Routine. Alles ist neu, shiny new devices, noch nicht wirklich greifbar. Auf der einen Seite habe ich fast genug damit zu tun, endlich komplett unabhängig, auf eigenen Beinen zu stehen. Auf der anderen Seite haben sich die Wolken über mir zusammengerottet, viel Dunkelheit, viel Regen und ständig suche ich nach Lichtblicken. Das Studium ist noch wie ein Wackelpudding, noch kann ich nicht sagen, was ich hier überhaupt mache. Noch kann ich nicht sagen, was ich genau studiere, was mir gelehrt wird, was ich jeden Tag morgens, mittags und abends lerne. Kein Wunder, prinzipiell; hetze ich doch von eher von einer Vorlesung zur nächsten, hetze ich zu den Übungen oder zur Mensa; es bleibt wenig Zeit, nachzudenken. Es ist ein Brei, den löffelt man; aus was er besteht, wagt niemand in den zwei Minuten des Essen-fassens zu fragen. Doch eins ist sicher: Noch rinnt mir die Zeit, der Brei, das Sein durch die Finger, noch habe ich keinerlei Möglichkeit erkannt, zu fassen, was ich mache. Zu identifizieren, was ich esse. Zu wissen, wohin der Weg führt. Dies fühlt sich keinerseits zwangsläufig schlecht an, nein. Auch bin ich nicht unsicher, nicht zweifelnd. Aber ich stehe, nach der Zeit des Umbruchs, in einem Sumpf in dem ich mich noch nicht bewegen kann. Es ist eine überlegende, abwartende, ertragende Haltung, welche ich derzeit inne habe.
Es ist interessant, keine Frage. Aber .. es ist .. wie soll ich es sagen, ohne abwertend zu klingen. Ohne meinen wohlgeschätzten Studiengang zu denunzieren. Nun.. es ist unspektakulär. Es läuft, es verschlingt Zeit, es kostet Energie, es ist neu. Aber ohne irgendetwas, was meine kindliche Begeisterung hätte wecken können. Bisher, zumindest. Natürlich ist erst eine Woche vergangen, natürlich greift alles, was ich oben geschrieben habe.. aber dennoch wirkt es auf mich trist, grau und alltäglich. Als würde ich hier schon ewig leben, als würde ich schon Jahre studieren, als wäre dies alles wohlbekannt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich eine Art Schleier über meine derzeitige Existenz legt. Weshalb ich noch keine Möglichkeit hatte, dies alles real anzunehmen; vielmehr es einfach ‘da’ war, ohne Fanfaren, ohne Trompeten. Ich gehe einfach davon aus, dass die nächsten Wochen, ich finde kein passendes Wort, ’spannender’ werden. Oder es liegt einfach daran, dass diese ‘Anstrengung’ in Form von Uni einfach nicht wirklich anstrengend ist, für mich. Das mag arrogant klingen, doch wenn ich es mit meiner 80-h-Zeit vergleiche ist es .. ein Kinderspiel, derzeit. Es ist nicht diese Art von Stress, nicht der ständige zeitliche Druck, nicht die Hetze von einem Ort zum anderen, welche mir den Schweiss auf die Stirn, das Adrenalin in die Venen treibt. Irgendwie ist es vergleichbar, doch nicht auf einer Ebene. Das ‘derzeit’ ist viel einfacher, viel lockerer zu handhaben - ‘es ist nur Uni’ - im Vergleich zur Arbeit, zum anstehenden Abitur, dem dunklen Geist der Prüfungen. Es ist ernüchternd. Keine Trunkenheit vom Leben, nichts aufgeholt, worauf ich mich jahrelang gefreut habe. Das Leben plätschert weiter vor sich hin. Und ich werde älter. Und kann es nicht aufhalten. Ich gehe jetzt rauchen. Und bin gespannt, ob ich mich auf dem Rückweg wiederfinde.
(standing here in the dark.)